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Relaunch des Deutschen Wetterdienstes - oder: da ziehen dunkle Wolken am Traffic-Himmel auf

Hi, mein Name ist Chris - mit OnlineMarketing und SEO verdiene ich mein Geld. Der Deutsche Wetterdienst hat eine neue Webseite - Grund genug, darüber zu schreiben! (Ein Update findest Du unten)

Unwetterwarnung für die Webseite des deutschen WetterdienstesWolken am Himmel für den DWD?Gestern Abend hat man auf Facebook lesen können, dass der Deutsche Wetterdienstes (DWD) verkündet: "Auch was gut ist kann noch besser werden. Unter diesem Motto standen die Arbeiten am neuen Internetauftritt des neuen nationalen Deutschen Wetterdienstes. Eine Beta-Version war schon seit Juni 2015 für jedermann zugänglich. So konnten auch Rückmeldungen der User in die abschließenden Arbeiten einbezogen werden. Nunmehr ist die Webseite des Deutschen Wetterdienstes online. Vorrangige Ziele waren ein modernisiertes Erscheinungsbild und die Anpassungsfähigkeit an unterschiedliche Endgeräte wie Smartphones und Tablets. Das Layout ist nun „responsive“, d. h. für das jeweilige Endgerät optimiert. www.dwd.de - viel Spaß damit!"

Nachdem ich mir die Nutzerkommentare durchlas, von denen viele im O-Ton unter: "Ich finde nix mehr!" liefen, war mein Interesse geweckt.

Als SEO bin ich immer interessiert, wie gute Dinge noch besser werden können, also habe ich mich spontan an den Rechner gesetzt und mal geschaut, was Suchmaschinen möglicherweise zu dem Relaunch sagen werden:

302 Redirect auf der Startseite

Wer die Startseite unter www.dwd.de aufruft, wird per 302 redirect auf http://www.dwd.de/DE/Home/home_node.html weitergeleitet. Ein Redirect ist eine Umleitung. Ich vergleiche das zur Anschaulichkeit immer mit dem Nachsendeantrag bei der Post: Wenn Du umziehst, dann teile der Post mit, wohin Du ziehst, damit Deine Briefe auch noch ankommen. Sehr wahrscheinlich ist das der Multilingualität der Webseite geschuldet. Über IP Geolocation wird ausgelesen, welche Sprache der Nutzer möglicherweise nutzt und dann auf die entsprechende Sprachversion (Deutsch oder Englisch) weitergeleitet.

Deutscher Wetterdienst Sprachauswahl wenig sichtbarDeutscher Wetterdienst Sprachauswahl wenig sichtbarGerade da hätte man es dem Nutzer im Fehlerfall etwas leichter machen können, indem man nicht nur im Header der Webseite die Buchstaben "En" oder "De" ausweist, sondern die üblichen Landesflaggen nutzt. Das sorgt für Wiedererkennungswert dieser Funktion beim Nutzer. Über Geschmack lässt sich allerdings streiten.

Multiple Überschriften erster Ordnung (H1) auf den Seiten

DWD Multiple H1 UeberschriftenDWD Multiple H1 Ueberschriften - schlechte Lesbarkeit für SuchmaschinenInteressiert am sonstigen Layout ist man als SEO auch und macht den Quellcode auf. Bei mehreren Seiten, die ich geprüft habe, gibt es nur ein Überschriftenformat, nämlich das erster Ordnung. Die Spezifikationen des HTML-Standards lassen das zwar grundsätzlich zu, sorgen aber nicht dafür, dass Google sauber erfasst, worum es auf der Seite wirklich geht.

In vielen Optimierungsfällen hat die Nutzung von Überschriften unterschiedlicher Ordnung (insgesamt nur eine H1 auf der Seite) dazu geführt, dass die Rankings um kleinere Grade nach oben in den Google-Ergebnissen gerutscht sind.

Selbstverständlich ist Google immer dabei, relevante Informationen auch zielsicher zu finden - mit geordnetem Stil könnte man die Suchmaschine dabei unterstützen. Typischerweise machen sich Designer aber wenig Gedanken um die Technik hinter Ordnungszahlen von Überschriften - hauptsache es sieht für den Nutzer groß und wichtig aus.

Die Suche der Webseite und ihre SessionIDs

Als ich gestern Abend spontan den ScreamingFrog SEO Spider auf die Webseite losließ, wurde mir schnell klar, dass ich dringend URLs ausschließen muss, die sich (im Deutschen wie Englischen) mit der Suche auf der Webseite beschäftigen. Über Session IDs und die unterschiedlichen Suchkombinationen ergeben sich unter http://www.dwd.de/DE/leistungen/_functions/Suche/Suche_Formular.html eine Vielzahl von zusätzlichen Seiten, die Webcrawler an den Rand des Wahnsinns treiben werden, weil alle möglichen Kombinationen durchgespielt werden können. Hier ein kleiner Ausschnitt:

SessionIDs in der SucheSessionIDs in der Suche - unbegrenzte Möglichkeiten dynamisch neue Webseiten zu generieren. Schlecht fürs Crawl-Budget

Eine Exclusion über die robots.txt für entsprechende Parameter ist hier sicherlich angezeigt, um den Google-Index nicht mit irrelevanten Informationen zu füttern. Mit einem Formular mit Buttons, die onsubmit POST auslösen und mit einem 303 Redirect zur gefilterten Liste führen, hätte man das Problem wohl gar nicht gehabt (klassischer Anwendungsfall des PRG-Patterns) - die Inhalte liegen schließlich auf einzigartigen URLs und sind damit für Google trotzdem sichtbar. Unter der gefundenen Lösung wird das Crawl-Budget der Domain suboptimal genutzt. Schade!

Was bedeutet das konkret? Zu viele irrelevante Seiten (wie im Beispiel oben) sorgen dafür, dass unwichtige Inhalte untersucht werden müssen. Für wichtige Inhalte ist dann quasi keine Zeit mehr. Hierunter leidet möglicherweise die Aktualität in den Suchergebnissen. In der täglichen Arbeit ist die Reduktion auf lediglich relevante Seiten, mit denen man die Suchmaschine füttert, regelmäßig auch mit Sichtbarkeitsgewinnen verbunden (= höhere Positionen für einzelne Schlüsselbegriffe). Ob und inwieweit sich das bei eine starken Domain auswirkt, bleibt in diesem Beispiel dem Zufall überlassen.

Zufälle sind immer ungünstig, wenn man mit der Webseite auch Geld verdient und mit Umsätzen plant.

Ladegeschwindigkeit und Optimierungspotenziale

In Sachen Ladegeschwindigkeit hat die Seite sicherlich auch noch Optimierungspotenziale. Ich bin da wegen Serverlast und Co. mit dem mod_h2 (Umsetzung des HTTP2.0 Standards für den Apache) ganz zufrieden. Gerade für mobile Webseiten nutzt das in Sachen Ladegeschwindkeit viel - zusätzliche Roundtrips werden dem Browser des Nutzers erspart. Mit der Umsetzung der Google Page-Speed-Insights unter https://developers.google.com/speed/pagespeed/insights/?url=www.dwd.de&tab=dektop macht man sich sicherlich auch bei den Nutzern Freunde.

Krebsschaden: fehlende 301 redirects zu indexierten Seiten

Tödlich ist das Fehlen von 301 - Redirects zu den neuen Seiten-Adressen (siehe das "Nachsendeantragsbeispiel" von oben). Der Erfahrung und Intuition folgend, habe ich mir gestern kurz die Top100-URLs mit einer site:dwd.de in Google herausgesucht und den ScreamingFrog schnell drüberlaufen lassen. Hier ist das Ergebnis:

Fehlende 301 RedirectsStatus 404 (Seite nicht gefunden) - Fehlende 301 Redirects

In den Top-100 Ergebnissen zur site: - Abfrage sind immerhin ein Drittel der Seiten mit Status 404 (nicht gefunden) ausgewiesen. Ob das in den gefundenen Fällen so gewollt ist, ist schwer abzuschätzen. Da darf man dem DWD wünschen, dass eine Strategie dahinter steckt. Vielleicht wollte man die Seiten einfach nicht mehr bespielen - dann wäre ein Status 410 wohl eher angezeigt gewesen. In Fällen, in denen es zu Schlüsselbegriffen gute Positionen gab, sind diese Positionen einstweilen verloren, bis Google die neuen Seiten findet, indexiert, bewertet und wieder auf die alte Positionierung schiebt.

Besonders plastisch ist das Beisiel von hrs.de - hier hat man letztes Jahr ähnliche Fehler gemacht und dabei mit viel Arbeit gewonnene Positionierungen vernichtet:

Sichtbarkeitsverlust hrs.de in 2014Sichtbarkeitsverlust hrs.de in 2014

Was Sistrix Sichtbarkeitsindex beudetet, liest Du hier.

Fehlende 301 Redirects (von außen stark verlinkter Content)

Ein weiterer schlimmer Schnitzer ist das Fehlen von 301 Redirects zu den neuen Adressen von Webseiten, die im alten System von außen stark verlinkt waren. Das wird kosten! Hier ein Bild aus der Sistrix - Toolbox:

 Fehlende 301 redirects zu Seiten von aussen gut angelinktFehlende 301 redirects zu Seiten, die von außen gut angelinkt sind - Verlust von Link Juice (keine abschließende Liste!)

Schade, dass man hier so viel Verlust einfährt!

Derzeitiger Sichtbarkeitsindex

Während man über die Sichtbarkeitsindizes und ihre Tauglichkeit zur Bewertung einer Domain sicherlich streiten kann, so ist es sicherlich möglich, dass die Domain in den kommenden Wochen ein paar Federn lassen wird. Da ich nicht genau weiß, wie die Seiten mit Ihren Keywords gewichtet sind und wie hoch deren entsprechendenes Suchvolumen ist und ob sie für die Berechnung des Sichtbarkeitsindexes von Sistrix relevant sind, bleibt abzuwarten, was man sehen wird.

Sichtbarkeitsindex des DWD am 12.10.2105 vor RelaunchSichtbarkeitsindex des DWD am 12.10.2105 vor Relaunch

Fazit nach einstündiger Kurzanalyse

In die Melange der schlecht geplanten und nicht durchdachten Relaunches seit 2014 reiht sich der DWD leider mit großen Seiten wie hrs.de ein. Obwohl die Fehler beim DWD sehr wahrscheinlich weniger Seiten betreffen, als bei HRS, bleibt abzuwarten, wie sich die Domain-Sichtbarkeit entwickelt.

Vielleicht merkt ja auch niemand im Hause des DWD, dass etwas schief geht - eine Trackingmöglichkeit wie Google-Analytics oder PIWIK sehe ich jedenfalls nicht auf der Seite eingerichtet. Neben all den schönen Social-Media-Bemühungen in diesem Jahr ist es sicherlich notwendig, dass das Projekt regelmäßig und kontinulierlich hinsichtlich wichtiger SEO-KPI überwacht wird.

Beim nächsten Mal zieht ihr lieber einen SEO hinzu, liebe DWDler! Infos zum Relaunch und was man beachten muss, findet ihr beispielsweise hier: http://www.sistrix.de/news/seo-basics-website-relaunch-niemals-ohne-weiterleitungen/

Euer Chris :)

Kleines Update

Nachdem Kollege Dhemant von Sistrix auf den Blogpost hinwies, möchte ich mitteilen, wie sich die Domain-Sichtbarkeit entwickelt hat. Nicht so gut:

sichtbarkeit dwd.de 02.11.2015Sichtbarkeit des Deutschen Wetterdienstes am 02.11.2015 - große Verluste

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